Zwischen Deutschland und Rußland. Zur „7. Konferenz für Baltische Studien in Europa“
Geschichte im Dialog

(Schluss des Beitrages)

Das „Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordost-
europa e.V.“ (IKGN) an der Universität Hamburg mit Sitz in Lüne-
burg und Göttingen ist zur Zeit die einzige wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland, an der mehrere speziell ausgebildete Wissenschaftler kontinuierlich zur baltischen Region forschen und Kontakte zu Wissenschaftlern und Forschungsinstituten der baltischen Staaten pflegen und ausbauen. Das „Nordost-Institut“ hat sich zur Aufgabe gemacht, die historische Erinnerung durch Forschung wach zu halten. Doch Geschichtswissenschaft ist niemals frei von Geschichtsdeutung, und auch diese hat ihre Geschichte. Es kommt darauf an, dass ein Geschichtsbild nicht versteinert und ideologisch verhärtet. Darum ist der internationale Dialog von entscheidender Bedeutung.

Anfang der 1970er Jahre begann das „Zentrum für baltisches Studien“ in Stockholm, mit 20 bis 30 baltischen Exilwissen-
schaftlern erste Konferenzen auszurichten. Seit Mitte der 80er Jahre konnten auch Wissenschaftler aus den ehemaligen Sowjet-
republiken Estland, Lettland und Litauen, an diesen Zusammen-
künften teilnehmen, die jedes Mal mehr als einhundert Spezia-
listen aus Europa, Nordamerika und Australien zusammenführten. Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit fand 1995 die
„1. Konferenz für baltische Studien in Europa“ in Riga statt. Seither treffen sich die Wissenschaftler alle zwei Jahre im

Wechsel an Tagungsorten im Baltikum und in anderen europäischen Ländern.
Als die „7. Konferenz für Baltische Studien in Europa“ am 10. Juni mit einem festlichen Abendessen zu Ende ging, zählten die Veran-
stalter etwa 250 Teilnehmer und 60 Tagesgäste aus 20 Nationen – weit mehr als jemals zuvor. Unter ihnen sah man viele Nachwuchs-
wissenschaftler. Die Tagung war hervorragend organisiert und wirkte inspirierend. Das Programm bot (in den Konferenzsprachen Englisch und Deutsch) ein breites, sinnvoll zusammengestelltes Themen-
spektrum auf hohem Niveau. Auch „das
deutsche Thema wurde in vielen Beiträgen lebendig diskutiert. Liina Lukas sprach beispiels-
weise über „Deutschbaltische Frauen als Schriftstellerinnen um 1900“, die in der deutschbaltischen Literaturgeschichte selten behandelt werden, obwohl es viele sehr produktive weibliche Autoren gab. Vor allem jedoch konnte der Beobachter feststellen, dass die Zeit der „Nabelschau der Nationalitäten“ dem Ende zu geht und man sich zunehmend mit der größeren Region „Ostseeraum“ identifiziert.

Zu den Konferenzen wird informell eingeladen. Es gibt keine Dachor-
ganisation. Zum Abschluss der Tagung reichten die Teilnehmer den „Staffelstab“ an die Vytautas Magnus Universität in Kaunas /Litauen weiter und beauftragten sie, 2009 die „8. Konferenz für Baltische Studien in Europa“ auszurichten.