„... widrigen Falls ... die hiesigen Lande sofort wieder zu verlassen“

Aufenthaltsgenehmigung für die Familie Samson Heine - ein bürokratischer Vorgang, Lüneburg 1822
Wer um 1820 in Lüneburg um Aufenthaltsgenehmigung nachsuchte, war ver-
dächtig. Diese Personen waren aus ihren bisherigen bürgerlichen Verhältnissen ausgebrochen oder herausgefallen, sofern sie jemals in solchen gestanden hat-
ten. In der Regel fehlte es ihnen an Mitteln, ihren Unterhalt auf rechtliche Weise zu bestreiten. Es war daher anzunehmen, daß sie über kurz oder lang entweder straffällig oder der Armenkasse zur Last fallen würden. Die Mehrzahl der „Asy-
lanten“ rekrutierte sich aus verabschiedeten Soldaten und Unteroffizieren des „Infanterie Regiments Lüneburg“, so auch der Lübecker Schuhmacher „Hein-
rich Peters, Mann von Waterloo“, der „für König und Vaterland [...] mehrere malen durchstochen“ worden war und eine Pension bezog. Die Königliche Großbritannisch-Hannoversche Provinzial-Regierung und der Magistrat der Stadt Lüneburg waren bestrebt, die zu Sozialfällen entwürdigten „Krieger“ an ihre Geburtsorte abzuschieben.

Juden mußten zur Miete wohnen. Unbedenklich erschien dem Magistrat der Stadt die Aufnahme eines auswärtigen Bürgers jüdischer Religion also nur, wenn man seine Existenz auf keine Weise spürte. Er durfte weder jemandem zur Last fallen, noch konkurrierend in den Weg treten und sich ferner nicht häus-
lich niederlassen. Armut und Selbständigkeit wurden gleichermaßen nicht ge-
duldet; er hatte ein wohlhabender Konsument zu sein. Man verlangte eine un-
kündbare Bürgschaft und gewährte Asyl auf Widerruf. Vorteilhaft für den Antrag-
steller war es, wenn er sich gegenüber der Provinzial-Regierung als Landeskind ausweisen konnte, dem an seinem Geburtsort ohnehin ein Domizilrecht zustän-
de.

Niemand vermochte diese Bedingungen so restlos zu erfüllen wie Samson Heine, für den Salomon Heine am 8.3.1822 bei der Königlichen Großbritannisch-
Hannoverschen Provinzial-Regierung die Genehmigung zum Aufenthalt in Lüneburg beantragte. ...